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"Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!
Wir segnen euch, die ihr vom Hause des
Herrn seid!
... denn Du... bist mir zur
Rettung geworden"
Psalm 118:26

"Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid."        Psalm 118,26

 

Über die Einheit der messianischen Gläubigen

- eine Botschaft für Christen -

 

Es war im Jahr 1994 als ich erstmals mit einer Gruppe Jesus-gläubiger Juden auf der Stuttgarter Königsstrasse russische Juden zu einem messianischen Gottesdienst einlud. Dabei wurden wir von vielen Passanten misstrauisch beobachtet. Ich muss zugeben, dass ich selbst als junger Gläubiger dem Christentum gegenüber sehr skeptisch war. Vieles daran erschien mir damals unverständlich und widersprüchlich. Einerseits sehen Christen im Leiden und Sterben Jesu ihre Errettung, andererseits werfen sie uns Juden immer wieder - offen oder verdeckt - vor, wir hätten ihren Herrn gekreuzigt. Eine solche Haltung kann ich bis heute nicht nachvollziehen. Ich hörte immer wieder, dass Deutschland ein christlich geprägtes Land sei und dass Deutsche überwiegend Christen seien. Als ich hierher kam, stellte ich fest, dass das nicht stimmt. Ich traf z. B. Katholiken, die an Maria, die Mutter Jesu glaubten und selber nie in der Bibel lesen. Ich traf auch viele Deutsche, die Moslems, Buddhisten oder Atheisten waren. Wiedergeborene Gläubige, so wie sie im Neuen Testament geschildert werden, traf ich nur sehr selten. Statistiken scheinen der Wahrheit näher zu kommen, sie sprechen von nur 5% wahrhaft gläubigen Christen in der deutschen Bevölkerung. Ein weiteres Rätsel ist für mich, dass Christen die heutige messianisch-jüdische Bewegung als eine völlig neue Glaubensrichtung bezeichnen, obwohl diese Bewegung das erste und älteste aller christlichen Bekenntnisse ist. Das Neue Testament bezeugt, dass die ersten jüdischen Apostel in Jerusalem erstaunt waren, dass die Gabe des Heiligen Geistes auch auf Nichtjuden ausgegossen wurde. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, dass die erste Gemeinde ihren Anfang unter Juden nahm und der Messias selber Jude war. Die Urgemeinde war eine vollständig jüdische Gemeinschaft. Es erstaunt und enttäuscht mich, dass viele Christen diese Tatsachen trotz ihrer Bibelkenntnis vergessen oder verdrängen. Nach neutestamentlicher Lehre sind alle Nachfolger Jeschuas, jüdische und nichtjüdische, durch ihren Glauben einig geworden. Ich möchte Ihnen dazu nachfolgend meine Gedanken mitteilen, und ich hoffe, dass Sie dadurch gesegnet werden.

 

Glaube an Gott ist etwas Persönliches

Haben Sie gewusst, dass die Juden gerade einmal 0,01% der Weltbevölkerung ausmachen? Trotzdem ist das jüdische Volk von Gott berufen und spielt in seinem Heilsplan eine wesentliche Rolle. Die Stärke eines Volkes ist für Gottes Pläne offensichtlich nicht entscheidend. Er hat in der Geschichte stets mit einem "Heiligen Überrest" gearbeitet, den er herausgerufen und nach seinem Willen geformt hat. Bei Gott geht es nicht in erster Linie um den Glauben einer ganzen Nation. Glaube und Nationalität sind zwei verschiedene Dinge. Die Zugehörigkeit zu einer Nation ist eine gesellschaftliche Sache, der Glaube an Gott ist jedoch etwas Persönliches. Der Glaube, wie er Gott gefällt, ist auf eine Person gerichtet, nämlich auf den Messias. Es geht um die Beziehung zu Jeschua, den Sohn Gottes. Jeder, der ihm begegnet und an ihn gläubig wird, gehört Gottes Volk an. Unabhängig von seiner Nationalität wird er hinein genommen in eine Linie göttlicher Verheissungen und Segnungen. Ich möchte dies anhand von Beispielen aus der Bibel erklären.

 

Abraham, der erste Hebräer

Als Gott Abraham dazu berief, in das verheissene Land zu ziehen, kam er ursprünglich aus Ur im Lande Chaldäa. Nach seiner Ankunft in der Stadt Mamre, die später Hebron hiess, wurde er erstmals als "Hebräer" bezeichnet (1.Mose 14,13), was so viel wie Fremdling oder Umsiedler bedeutet. Woher und wohin war er denn umgesiedelt? Im Buch Josua 24,2 lesen wir, dass Abraham in Chaldäa fremden Göttern gedient hatte. Das bedeutet, er hatte nicht nur seinen Wohnort gewechselt, sondern er hatte mit seinem Entschluss, Gottes Ruf zu folgen, das Heidentum verlassen und diente nun dem einzigen und wahren Gott. Als Abraham in Kanaan ankam, wurde er jedoch nicht Kanaaniter, sondern er wurde als Hebräer angesehen. Im geistlichen Sinne wurde er somit ein Jude. Zusammen mit Abraham siedelte auch dessen Neffe Lot um. Doch nach seiner Flucht aus Sodom und einem sündigen Leben mit seinen Töchtern, hörte Lot auf, "Jude" zu sein und wurde zum Urvater der Moabiter und Ammoniter, der Feinde Israels. Eine ähnliche Situation ergab sich in der Familie Isaaks, dem leiblichen Sohn Abrahams. Wenn in einer rein deutschen Familie Kinder geboren werden, so nehmen sie die Nationalität ihrer Eltern an, die sich später, z. B. durch Heirat oder Umzug ändern kann. Als ich von Russland nach Deutschland übersiedelte, änderte sich meine Staatsangehörigkeit und ich wurde Deutscher. In den Formularen gibt es jedoch noch eine weitere Sparte, und zwar die Volkszugehörigkeit, in die ich "Israelit" eintrug. Die Volkszugehörigkeit kann man offiziell nicht ändern. In Isaaks Fall aber war es möglich. Ihm wurden Zwillinge geboren, zwei Söhne namens Jakob und Esau. Es ist bemerkenswert, dass aus Jakob "Israel" wurde und aus Esau "Edom". Wenn Menschen in der Bibel einen neuen Namen erhalten, dann hat das immer mit einer inneren Wandlung zu tun. Jakob hatte eines nachts eine persönliche Begegnung mit Gott, danach erhielt er den Namen Israel (1.Mose 32,23ff). Israel, der Sohn Isaaks und Enkel Abrahams, wurde zum Stammvater von zwölf Söhnen, aus denen das jüdische Volk entstand. Sein Zwillingsbruder Esau hingegen wurde zum Stammvater der Edomiter und war somit von der Segenslinie Gottes abgeschnitten. Wir müssen uns fragen, wie das möglich ist und ob das auch für uns heute eine Bedeutung hat. Paulus schreibt zu diesem Thema: "Denn nicht alle sind Israeliten, die von Israel stammen, auch nicht alle, die Abrahams Nachkommen sind, sind darum seine Kinder. Sondern nur »was von Isaak stammt, soll dein Geschlecht genannt werden« (1.Mose 21,12). Das heisst, nicht das sind Gottes Kinder, die nach dem Fleisch Kinder sind; sondern nur die Kinder der Verheissung werden als seine Nachkommenschaft anerkannt." (Römer 9, 6b-8)

 

Gott erwählt sich ein Volk von Priestern

Die Heilige Schrift belegt, dass alle Menschen der Erde von derselben Blutlinie abstammen, nämlich von Noah und seinen drei Söhnen Sem, Ham und Jafet. Gott vermischte ihre Sprachen und so entstanden viele Völker. Gottes Absicht mit den Menschen erfahren wir aus der Apostelgeschichte: "Er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten..." (Apg.17,26-27a) Gott schuf demnach alle Menschen, damit sie ihn in einer begrenzten Zeit und in bestimmten Landesgrenzen fühlen und finden sollten. Unter allen Völkern erwählte er sich jedoch ein Priestervolk, das ihm allein gehören und dienen sollte, nämlich Israel. Aber auch die Völker ausserhalb Israels, die Heiden, sollten den Gott Israels suchen und finden. Sie verehrten ihre eigenen, selbst gemachten Götter, denen sie Opfer brachten und in verschiedensten Kulten huldigten. Doch es gab damals einzelne Menschen, die ihr Volk verliessen um sich Israel anzuschliessen, sie wurden Proselyten genannt. Im Alten Bund galten diese Menschen als Fremdlinge oder Beisassen Israels. So oft die Bibel von solchen Menschen berichtet, fällt auf, dass ihr Glaube an Gott stets mit Treue und Liebe zu Israel verbunden war. Denken wir an die Kanaaniterin Rahab, die von der Macht des Gottes Israels gehört hatte und darauf vertraute, dass er auch sie erretten würde. Während der Einnahme Jerichos wurde sie als einzige mitsamt ihrer Familie verschont, weil sie zuvor zwei israelitische Kundschafter vor ihren eigenen Landsleuten beschützt hatte.

 

Das Beispiel von Ruth

Wir sehen also aus dem Zeugnis der Schrift, dass nicht jeder Jude "automatisch" zu Israel gehört und umgekehrt können auch Nichtjuden zu Israel gehören. Die Moabiterin Ruth ist ein besonders eindrucksvolles Beispiel für den Übertritt zum Glauben an den Gott Israels. Obwohl ihr als Moabiterin der Eintritt in die israelitische Gemeinschaft gesetzlich verwehrt war (5.Mose 23,4), wurde sie in Israel aufgenommen. Sie gelangte sogar in den Stammbaum Jeschuas, da sie König Davids Urgossmutter geworden ist! Wieder müssen wir uns fragen, wie das passieren konnte. Ruth selbst gibt die Antwort, indem sie zu Naomi sagt: "Wohin Du gehst, dahin gehe auch ich, und wo Du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und Dein Gott ist mein Gott." Praktisch bedeutete das vermutlich, dass sie ihre heidnische Kultur und den Glauben ihres moabitischen Volkes, wie Brauchtum, religiöser Ritus, Feste und ihren Lebensstil, zugunsten eines Lebens als Jüdin in Israel vollständig ablegte. Für diesen Schritt wurde sie von Gott reich belohnt. Ihre Lebensgeschichte kann man im biblischen Buch "Ruth" nachlesen.

 

Eine biblische Kultur

In ihrer Geschichte wurden die Juden mehrfach von feindlichen Nachbarvölkern aus dem Land Israel vertrieben, wodurch sie gezwungen waren inmitten heidnischer Völker ihre jüdisch-biblische Kultur zu bewahren. Dazu gehören u. a. der jüdische Kalender, die Gebote, darunter auch das Schabatgebot, alle in der Bibel erwähnten Feste und die Psalmengebete. Es gleicht einem Wunder, dass es zu jeder Zeit Juden in der Zerstreuung gab, die sich zwar ihrer Umgebung anpassten, aber ihre ureigene Lebensform und ihren Glauben nicht völlig aufgaben. Selbstverständlich erlernten Juden die jeweilige Landessprache, aber viele von ihnen hörten nicht auf, hebräisch zu denken und zu fühlen, besonders dann, wenn sie angefeindet wurden. Natürlich waren sie, was die Musik- und Esskultur betraf, heidnischen Einflüssen ausgesetzt. Dennoch sind bis heute israelische Tänze und typisch hebräische Weisen sowie einige kulinarische Elemente einer traditionellen Küche erhalten geblieben. Gottes Volk bewahrte eine eigenständige, auf der Bibel basierende Subkultur, die in völlig gegensätzlichem Kulturkreis überlebte. Wir Juden werden oft des Nationalismus beschuldigt, da wir an vielen jüdischen Bräuchen und Traditionen festhalten. Diese haben jedoch alle einen biblischen Ursprung oder hängen mit biblischen Ereignissen zusammen. Das trifft auf Feiertage wie Schabat (Ruhetag), Pessach (Erlösung durch Jeschuas Opfer), Schawuot (Wochenfest), Jom Kippur (Versöhnungstag) und Sukkot (Laubhüttenfest) zu, ebenso auf Purim (Losfest) und Channuka (Tempelweihefest). Dann gibt es Festtage, die mit der Erwählung Israels oder mit dem verheissenen Land zu tun haben, z. B. der Unabhängigkeitstag, der Jerusalemtag und Jom Schoah, der Tag grosser Trauer am 9. Aw. Wir pflegen die israelischen Tänze, die Ausdruck unseres Vertrauens und unserer Freude in Gott sind. Unsere Loblieder singen wir in Hebräisch und erinnern uns in der Sprache der Propheten an die grossen Taten Gottes.

 

Christen und das Weihnachtsfest

Nun frage ich Sie, liebe Leserin und lieber Leser: Zu welchem Volk gehören Sie und welcher Kultur gehören Sie an? Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum sich messianische Juden nur selten in christlichen Kirchengemeinden heimisch fühlen und warum es sie eher in messianische Gemeinden zieht? Könnte es damit zusammenhängen, dass christliche Gemeinden eher selten in der biblisch überlieferten Kultur verwurzelt sind? Forscht man in der Kirchengeschichte nach, warum sich christliche Feste so stark von ihrem jüdischen Ursprung unterscheiden, stösst man auf eine antijüdische Haltung der frühen Kirche, die sich lieber an heidnisches Brauchtum als an biblische Vorgaben anlehnte. Sie tat es, um sich bewusst von allem Jüdischen zu distanzieren. Auf diese Weise verschwand der Schabat und wurde durch den ersten Wochentag ersetzt, obwohl das Ruhen am siebten Tag Gottes Schöpfungsordnung entstammt. Mich befremdet es, dass die Kirche Feiertage hat, für die es in der Bibel keine Grundlage gibt. Beispielsweise gebot Jeschua seinen Nachfolgern, das Pessachfest zum Gedächtnis seines Todes zu feiern, Christen hingegen feiern weltweit seinen Geburtstag. Wem ist heute bewusst, dass das Weihnachtsfest auf den altiranischen Mithras-Kult zurückgeht, in welchem der Gott des Lichtes verehrt wurde? Der im Jahre 270 zum römischen Kaiser gekrönten Aurelian erhob diesen Kult zur Staatsreligion, und im gesamten Römischen Reich feierte man am 25. Dezember "Sol Invictus", ein Siegesfest zu Ehren der Sonne. Ein Papst führte im dritten Jahrhundert das christliche Weihnachtsfest ein und wählte dafür den 25. Dezember, um auf diese Weise die heidnische Feier zu verdrängen. Und sehr viel später, im Jahre 813 führte die Synode zu Mainz eine Feier der Geburt Christi im deutschen Sprachraum ein. Gestatten Sie mir folgende Frage: Ist es vorstellbar, dass Jeschua, der das ewige Wort Gottes ist und durch den alles geschaffen wurde, einen Geburtstag hat? "Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen." (Kolosser 1,16)

Lediglich für sein Erscheinen auf dieser Welt können wir loben und danken.

 

Christen und das Pessachfest

Das jüdische Volk erinnert sich während des Pessachfestes an die Erlösung aus der Knechtschaft Ägyptens. Durch das Blut eines Lammes wurde jede Familie vor dem göttlichen Gericht verschont. In jener Nacht vor dem Auszug aus Ägypten gebot Gott seinem Volk, ungesäuertes Brot zu essen. Die Einzelheiten dieser Geschichte kann man im 2. Buch Mose im 12. Kapitel nachlesen. Dass Jeschua während dieses Festes gekreuzigt wurde, hat eine tiefe geistliche Bedeutung. Johannes, der Täufer, sagte von Jeschua, dass er Gottes Lamm sei, das die Sünden der Welt trägt. Später, als Jeschua zum letzten Mal mit seinen Jüngern Pessach feierte, gab er ihnen ungesäuertes Brot um so die Heiligkeit und Reinheit seines Opfers zum Ausdruck zu bringen. Und als der Herr nach dem Abendmahl den Kelch nahm, veränderte er in keiner Weise den unter Juden bekannten Verlauf des Festes, sondern er wies auf seinen wahren Sinn hin: Man sollte sich zukünftig, so oft Pessach gefeiert würde, an ihn erinnern und so seinen Tod verkündigen. Ein Kirchenkonzil entschied jedoch, die Erinnerung an die Kreuzigung und Auferstehung Jeschuas nicht mehr am jüdischen Pessach zu feiern, sondern an dem nach der heidnischen Fruchtbarkeitsgöttin Ostera benannten Ostern. Dieses Frühlingsfest, an dem man Hasen als Opfertiere darbrachte, fiel in die gleiche Zeit wie Pessach, hatte aber mit dessen Sinn nichts zu tun. Und wie feiert eine christliche Familie hierzulande Ostern? Man bemalt und verzehrt Eier und schenkt Kindern Hasen aus Schokolade! Das Ei, das übrigens auch im Judentum symbolischen Wert hat, deutet auf die Fruchtbarkeit und der Hase erinnert an einstige Opferhandlungen. Die Vermutung liegt nahe, dass beide Symbole noch heute von einer heidnischen Gottheit zeugen. Auch wenn das heute kaum jemandem bewusst ist und Christen zu Ostern aufrichtigen Herzens ihren auferstandenen Herrn feiern, so sind die biblischen Wurzeln des Festes tief verschüttet. Es ist gewiss lohnend, wenn nichtjüdische Gläubige sich mit den Satzungen zum Pessachfest, wie Gott sie im 2. Buch Mose geboten hat, vertraut machen. Ich bin überzeugt, dass jeder, der das tut, einen tieferen Zugang zu Jeschuas Worten und Handlungen gewinnt.

 

Das Heil kommt von den Juden

Ich halte es für ein grosses Versäumnis, dass das Alte Testament so wenig gelesen wird. Wer hat eigentlich beschlossen, dass das Neue Testament wichtiger ist als das Alte? Der Neue Bund ist besser als der Alte, dennoch zeugt die ganze Heilige Schrift von Jeschua. Deshalb konnte der Herr seinen Jüngern das ganze Evangelium und alles, was mit ihm geschehen musste, aus den alttestamentlichen Schriften erklären. In manchen Gemeinden wird die Tenach überhaupt nicht beachtet, da man sie für die Geschichte der Juden hält. Eine solche Auffassung ist verkehrt und birgt die Gefahr in sich, das Neue Testament falsch auszulegen. Wenn Christen zu allem Jüdischen in der Bibel auf Distanz gehen, stehen sie in der Gefahr, sich letztlich auch von Jeschua zu distanzieren. Zu einer Samariterin sagte er einmal: "Ihr wisst nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden." (Johannes 4,22) Das Laubhüttenfest beispielsweise wird von Christen fast gar nicht beachtet, obwohl es zu den drei wichtigsten biblischen Festen zählt. Liegt das vielleicht daran, dass es in seiner Ausrichtung besonders jüdisch ist? Das Johannesevangelium berichtet, dass Jeschua dieses Fest besucht hat. Und im tausendjährigen Reich wird es ausnahmslos von allen Völkern gefeiert werden, wenn sie nach Jerusalem pilgern werden (Sacharjah 14,16).

 

Der messianische Glaube

Als ich vor einigen Jahren nach Deutschland kam, beschäftigte ich mich mit der Geschichte des messianischen Judentums. Ich stellte fest, dass es hierzulande zu jeder Zeit Messias-gläubige Juden gegeben hat, sogar hier in Stuttgart gab es bis zu unserer Ankunft im Jahr 1993 welche. Adam Poljak war einer von ihnen. Er war Herausgeber einer messianischen Zeitschrift und leitete einen Hauskreis in Mötlingen. Die Teilnehmer waren Juden, die der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde angehörten. Predigen durfte Poljak aufgrund seiner proisraelitischen Einstellung damals jedoch nicht. Heute treffen sich in Stuttgart wieder vermehrt Jeschua-gläubige Juden. In unserer Gemeinde "Adon Jeschua", die überwiegend von Juden besucht wird, nehmen wir gern jeden wiedergeborenen Nichtjuden auf, der sich der messianischen Bewegung anschliesst. Im Messias wollen wir ihn wie einen der Unseren annehmen, so wie einst der Jude Boas die Moabiterin Ruth zu sich nahm. In Galater 3,28 schreibt Paulus: " Hier ist nicht Jude noch Grieche, ... denn ihr seid allesamt einer in Jeschua, dem Messias." Dieses Bibelwort wenden wir in der Praxis an, denn wir alle sind Gottes Kinder, messianische Gläubige. Noch preisen wir unseren Herrn überwiegend getrennt, obwohl alle wiedergeborenen Gläubigen in Jeschua einig geworden sind. In 5.Mose 32,4 und in Psalm 117 sowie an anderen Stellen der Tenach wird gesagt, dass auch Heiden den Gott Israels loben und anbeten werden. Dies ist der von Gott erwählte "Heilige Rest" aus den Nationen. Bald schon werden wir gemeinsam ganz selbstverständlich Jeschua in den Versammlungen preisen. Die russischsprachige messianische Gemeindebewegung, wie sie heute in Deutschland aufgebrochen ist, halte ich für eine Übergangslösung. Sie ist entstanden aufgrund der Emigration von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann durch nachfolgende Generationenen daraus eine deutschsprachige Bewegung wird. In diesen Tagen entstehen im ganzen Land zahlreiche messianische Gemeinden und Hauskreise, u. a. in Hamburg, Berlin, Hannover, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Heidelberg, Karlsruhe, Stuttgart und München. Zur selben Zeit beginnen auch einige Christen sich für diese Gemeinschaften zu interessieren. Es scheint, als würden sie in ihren herkömmlichen Gemeinden etwas vermissen. Wir kennen doch alle das Bild des "edlen Ölbaums", wovon Paulus in seinem Brief an die Römer im 11. Kapitel schreibt. An diesem Baum wachsen zwei Sorten von Zweigen, nämlich natürliche Zweige (Juden) und aufgepfropfte Zweige (Heiden), die ursprünglich von einem wilden Baum stammten. Beide sind in diesem wunderbaren Baum vereinigt und haben Teil an dem Saft und der Wurzel desselben Baumes. Ich behaupte, dass Christen an einem Mangel leiden, weil ihre Gemeinden wie Ölzweige sind, die von ihren Wurzeln abgetrennt sind. Einigen Christen wird dieser Mangel heute schmerzhaft bewusst. Ich denke aber, die ganze Christenheit muss ihr Verhältnis gegenüber ihrem biblisch-jüdischen Erbe neu überdenken und ihre Beziehung zu den "natürlichen Zweigen", den Juden, klären. Jeder wahrhaft gläubige Christ tut gut daran, sich mit den geistlichen Wurzeln seines Glaubens, die im Alten Testament liegen, zu beschäftigen. Nur so kann er die eigene Erwählung, die eng mit Israel verbunden ist, verstehen, so wie Gott sie gemeint hat.

 

Wer ist ein Jude?

Die Bibel gibt auch darüber Auskunft, wie es um Juden steht, die nicht an den Messias glauben. Gott ist zu allen gleichermassen freundlich, und er bevorzugt keinen. Er hält die Tür der Rettung für beide offen, für Heiden aus Gnade und für Juden aus Treue zu ihren Urvätern. Gott hat Israel nicht verstossen, denn er kehrt niemandem den Rücken zu. Möglicherweise erwartet Israel sogar eine Bekehrungswelle von ungekanntem Ausmass! Für jeden, ob jüdisch oder nichtjüdisch, gilt, dass er allein durch den Glauben an Jeschua gerettet und ein Kind Gottes werden kann. Darum schreibt Paulus in Römer 2,28: "Der ist ein Jude, der es inwendig verborgen ist, und das ist die Beschneidung des Herzens, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht." Das heisst doch, dass ein Jude, der in jüdischem Elternhaus geboren, aufgewachsen und beschnitten worden ist, zwar leiblich Jude bleiben kann, aber ohne den Glauben an Jeschua in geistlichem Sinne kein Jude und auch kein Kind Gottes ist. Umgekehrt gilt, dass derjenige, der durch Gottes Geist an seinem Herzen beschnitten worden ist, selbst wenn er äusserlich gesehen kein Jude ist, so doch vollständig zu Gottes Volk Israel hinzugehört und ein Kind Gottes ist. Darüber schreibt Paulus in Epheser 2,12.19: "Denkt daran, dass ihr zu jener Zeit ohne den Messias wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels... So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen."

 

Die Abstammung ist entscheidend

Der Apostel Paulus bezeichnet die Gläubigen aus den Nationen als von "derselben Wurzel eines Ölbaumes abstammend". Der bereits erwähnte "edle Ölbaum" ist ein Ebenbild für das geistliche Israel und den Leib des Messias, die Gemeinde. Gott hat nämlich keinen neuen Ölbaum gepflanzt, sondern er hat "wilde" Äste zu den natürlichen hinzugefügt. Wurzel, Art, Lebensweise, Funktion und Erscheinungsbild des Baumes sind erhalten geblieben, lediglich kamen Äste hinzu. Der Leib des Messias ist nicht aufteilbar, vielmehr sind in ihm Juden und Nichtjuden im Glauben vereint. Kamen in den vergangenen Jahrhunderten Juden zum Glauben an ihren Messias Jeschua, so konvertierten sie in der Regel zum Christentum. Manche Christen versuchen auch heute den Juden einzureden, dass ihr Glaube an Jeschua ein Ende ihres Judeseins bedeutet. Dabei ist es genau umgekehrt: Erst durch den Glauben an den Sohn Gottes werden sie wahrhaftige Juden. Und wie wir aus den Beispielen der Bibel gesehen haben, wandten sich Heiden von ihrer alten Stellung und Kultur ab um Israeliten zu werden. So spricht der alttestamentliche Prophet Hosea von Deutschen, Schweizern, Österreichern, Russen und allen anderen Völkern, wenn er weissagt: "Es wird aber die Zahl der Israeliten sein wie der Sand am Meer, den man weder messen noch zählen kann. Und es soll geschehen, anstatt dass man zu ihnen sagt: »Ihr seid nicht mein Volk«, wird man zu ihnen sagen: »O ihr Kinder des lebendigen Gottes" (Hosea 2,1)

 

Zwölf Tore führen ins himmlische Jerusalem

Im Buch der Offenbarung wird die Stadt Gottes beschrieben, das himmlische Jerusalem. Zwölf Tore, welche für die zwölf Stämme Israels stehen, führen dort hinein. Diese Stadt ist das Ziel, das Gott für sein Volk ersehen hat. Durch welches Tor möchten Sie Gottes heilige Stadt betreten? Wenn Sie sich nicht zur Gemeinschaft Israels zugehörig fühlen, bedenken Sie bitte, dass es kein 13. Tor geben wird. Falls Sie glauben, dass dort anstelle Israels nur Erlöste aus den Nationen sein werden, so möchte ich Ihnen einen Witz erzählen:

Ein gläubiger und getaufter Christ, der zeitlebens Antisemit gewesen war, liegt im Sterben. Im letzten Augenblick seines Lebens murmelt er vor sich hin: "Ich hoffe, wenigstens im Paradies keine Juden mehr zu sehen." Als er plötzlich im Paradies erwacht, ist er von Engeln umgeben, die ihn bedienen. Er wartet und wartet und schliesslich fragt er den Engel: "Wo sind die anderen Erlösten?" Der Engel antwort ihm: " Alles ist so, wie Du es gewollt hast." Nach einiger Zeit fragt er erneut: "Wo ist Jesus, der Retter?" Er erhält zur Antwort: "Alles ist so, wie Du es gewollt hast." Nach einiger Zeit verliert er die Geduld und fragt empört: "Mir wurde versprochen, dass ich mit Christus das Abendmahl feiern werde!" Der Engel erwidert gelassen: "Alles ist so, wie Du es gewollt hast. Du wolltest doch keine Juden mehr sehen."

 

Zu einem Leib getauft und mit einem Geist getränkt

Die Schrift sagt uns eindeutig durch den Apostel Paulus: "Gott hat sein Volk nicht verstossen." (Römer 11,1-2) Wenn Sie sich nun selbst als wahre Jüdin oder als wahrer Jude im biblischen Sinne erkannt haben, dann werden Sie einen Lebensstil haben, wie er von der Heiligen Schrift und nicht von Menschen festgelegt worden ist. Wenn Sie den Geboten der Bibel folgen, sich nicht vom jüdischen Volk distanzieren und sich auch nicht darüber erheben, so wird sich jeder Jude in der Gemeinde, zu der sie gehören, wohl fühlen. Er wird das Gefühl haben, er sei am richtigen Platz, an dem Gott ihn gerne sieht. Er wird sich seines persönlichen Glaubens und des Glaubens seiner Vorväter nicht schämen, und er wird sich nicht vor Verletzung und Zurückweisung fürchten. Er wird sich auch nicht wie ein Verräter seines Volkes vorkommen. Es wird vielmehr umgekehrt sein: Zurückgekehrt zu seinen eigenen Wurzeln, empfindet er sich als ein natürlicher, wiederhergestellter Ast in seinem eigenen, ihm vertrauten Baum, dem edlen Ölbaum, von dem Gott uns durch Paulus hat wissen lassen.

 

Abschliessend möchte ich uns an ein weiteres Pauluswort aus dem 1. Brief an die Korinther, Kapitel 12, Vers 3 erinnern: "Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft,

wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt."

 

Schalom!

 

 

Ihr

Ilja Masl

revidiert und ergänz von Waltraud Rennebaum